Contenance
Der Vorsitzende erklärt dem Zeugen fast wie einem Dreijährigen im Kindergarten geradezu väterlich besorgt, warum der Zeuge nun doch noch einmal alles erzählen muss, obwohl er in einem vorangegangenen Verfahren demselben Vorsitzenden – damals nicht als Zeuge sondern als Angeklagter – schon dasselbe berichtet hatte.
Jeder im Saal verstand, dass der Herr Vorsitzende nun im neuen Verfahren wie frisch gefallener Schnee völlig unvorbelastet keinerlei Informationen aus dem Vorverfahren verwerten darf und deshalb natürlich, wie es jeder deutsche Richter kann und schon in die Wiege gelegt bekommen hat, alles Vorangegangene total aus seiner Erinnerung gestrichen hat.
Dieses Idealbild wurde so gut erklärt, dass auch der oben genannte Dreijährige das verstanden hätte – bis auf einen der beiden Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft, der braucht möglicherweise länger, um das eine oder andere zu verstehen, vielleicht klappt es ja auch gar nicht. Man weiß es nicht so genau.
Nicht nur, dass er seine Fragen fast immer so lange zuvor erklärt, bis er gar nicht mehr weiß, was er fragen wollte, nein, als erstes sprach er den Vorsitzenden an:
„Herr Vorsitzender, Sie erinnern sich, in dem anderen Verfahren ….“
Eigentlich unfassbar, setzen, zwischen 5 und 7 …. Na gut, gelacht haben dann doch alle, bis auf seinen Beschützer, der bemühte sich etwas aufgeregt um Einhaltung der Contenance im untauglichen Versuch einer gewissen Oberlehrerhaftigkeit. Na ja, jeder, wie er es braucht. Unerzogen nicht einmal grüßen können, aber Contenance einfordern. Kinderstube sieht nach Meinung anderer anders aus.
Aus dem Zuschauerraum hörte ich später: „Superpeinlicher Auftritt“.

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Herr Siebers, so wie Sie hier vom Leder ziehen, werden Sie nicht ernsthaft erwarten können, von denen, über die Sie herziehen auch noch gegrüßt zu werden.
Schöne Grüße
Zwerg
Nö, muss ich tatsächlich nicht. Aber irgendeinen Schwachsinn will ich ja schreiben.
Dass die Beweisaufnahme von vorne losgeht, heißt doch nicht, dass alle Beteiligten zwanghaft so tun müssten, als hätte es keine früheren Verfahren gegeben.
Es war ein anderes Verfahren mit einer anderen Kammer, nur derselbe Vorsitzende und derselbe Sachverhalt. Und dann MÜSSEN in der Tat alle so tun, als ginge es völlig neu von vorne los.