Leichtes Spiel
Als Verteidiger darf man sich freuen, wenn die Hauptbelastungszeugin zickig, renitent und auf Krawall gebürstet ist.
Heute nahm uns Verteidigern so eine Kratzbürste fast die Arbeit ab. Patzig, Gegenfragen stellend, Vorwürfe in den Raum stellend, das stieß der Vorsitzenden, die ansonsten eigentlich die Ruhe selbst ist, schon merklich auf, so dass wenige ergänzende Nachfragen von der Verteidigerbank ausreichten, um dann bei Gericht und Staatsanwaltschaft endgültig für eine Einstellung offene Türen zu finden.
Manche Zeugen, insbesondere, die sich selbst für ausgesprochen schlau halten, sind einfach nur peinlich.

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Kann man solche Zeugen bestellen?
Leider – und vor allem sehr zum Schaden ihres Mandanten – vergessen die Verteidiger solche Erkenntnisse immer gleich wieder, wenn sich entscheiden, selber zickig, renitent und auf Krawall gebürstet aufzutreten.
Glaube kaum, dass sich ein Strafverteidiger von seinen Gefühlen hinreißen lässt. Solche Verhaltensweisen sind einstudierte Taktik, um die gesammelte Gegnerschaft zu zermürben – und werden nur im rechten Moment unter dem Hut hervorgezogen!
So ist es, alles andere wäre unprofessionell.
@Katharina Hach, schön gesagt! Beeindruckt mich.
Krawallmacher gibt es als Richter, Staatsanwalt und Verteidiger. Ich denke sachlich leise und selbstbewusst ruhig aufzutreten, hat mehr Erfolg. Wenn ein Verteidiger die Zermürbungstaktik wählt, dann solidarisiert sich das Gericht mit der Staatsanwaltschaft. Kann dumm ausgehen, wenn zuvor bei viel gutem Willen Bewährung noch vertretbar gewesen wäre. Das übersehen oft die Verteidiger, die gerne Krawall machen. Ein weiteres Problem ist, das Krawall gemacht, sich bei dem Gericht einprägt, ist wie über den Tisch gezogen. Kann sich auf andere Verfahren auswirken.
Genauso wie die Beurteilung der Aussage der patzigen Zeugin. Die Aussage kann ja durchaus richtig sei.