Der abgespeichelte Mann
Es macht immer wieder Spaß, Ermittlungsakten zu lesen. Die Abgründe des Lebens, die sich dabei auftun, können von keinem Romanautor treffender beschrieben werden.
Dabei nicht selten als launebringende Highlights polizeiinterne Spezialausdrücke, die einem immer mal wieder Freudentränen in die Augen treiben.
Heute mal wieder eine Akte aus einer Abteilung für „Schwerstkriminalität“, die Abteilung, deren Mitarbeiter so wichtig sind, dass man sich mit normaler „Schwerkriminalität“ ohne „st“ schon gar nicht mehr befasst.
Zum Warmlaufen finde ich da den Satz:
Die Unterlagen wurden fingerabdruckschonend sichergestellt.
Ein feines Wort, das ich dem einen oder anderen Mandanten mitgeben müsste, auf dass sie ihre Einbrüche oder BtM-Verpackungen fingerabdruckschonend durchführen sollten.
Das beste Wort dann aber im Zusammenhang mit den erkennungsdienstlichen Behandlungen der vermeintlichen „Schwerstverbrechern“:
Im Rahmen der ED-Behandlung wurde die Person auch abgespeichelt.
Also die Vorstellung, von O-beinigen Wichtigtuern erst angespuckt und dann eingerieben zu werden, lässt dann doch einen gewissen Ekel entstehen – oder habe ich da etwas missverstanden?

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Wer täglich andere Leute abspeichelt, dem fällt diese sehr gewöhnungsbedürftige Formulierung irgendwann auch nicht mehr auf.