Das Nichtssagende eines Nichtssagers

Kennt Ihr auch die Richter, die Ihre Pseudoautorität dadurch untermauern, dass sie den anderen Verfahrensbeteiligten entweder verweigern, ihnen „das Wort zu erteilen“, oder bei dem Versuch eines Einwurfes sofort schneidig hineingrätschen mit dem Bemerken: „Ich habe Ihnen nicht das Wort erteilt!“

Was treibt diese selbsternannten Götter der Allwissenheit dazu, sofort und immer prognostizieren zu können, dass das, was der andere zu sagen versucht, störend, nicht verfahrensfördernd oder per se verzögernd sein wird? Das, obwohl das eigene Gesagte möglicherweise nichts weiter ist, als die heiße Luft aus einer Selbstbeweihräucherung, also gewöhnliches Nichtssagendes.

Was glauben diese Masturbatoren des eigenen Egos, wie unendlich unüberbietbar ihr eigenes Wissen ist? Was befürchten sie, was passieren könnte, wenn sie hin und wieder auch einmal zwischendurch das Aussprechen fremder Gedanken bewirken könnte?

Ein Psychologe gehobenen Ranges hat mir eine einfache Erklärung geliefert: Viele nur mit Minderwertigkeitskomplexen durchfressene Personen können wahre Narzissten werden. Fehlt es der an sich bemitleidenswerten Person an Selbstwertgefühl und sind Minderwertigkeitskomplexe und Unsicherheiten stark ausgeprägt, wird dieser Mangel durch ein erschaffenes Größenselbst kompensiert. Diese Spiegelhelden identifizieren sich nicht mit dem, was sie sind, sondern mit dem, was sie sein wollen.

Also liebe Richter, lasst Euch hin und wieder herab, Euch auch einmal positiv von einem Einwurf, einer Kritik oder einer Frage unterbrechen zu lassen. Das tut nicht nur Eurer Außenwirkung gut, das eine oder andere Mal wieder gibt es Prozessen auch eine durchaus positive Wende, wenn man frühzeitig auch die Gedanken anderer, seien es Staatsanwälte oder Verteidiger, zulasst, unabhängig davon, ob dieser andere bessere oder schlechtere Examensnoten hat als Du selbst.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020)
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